Nach der Ärztlichen Prüfung

Zwar richtet sich diese Website in erster Linie an HNO-Assistenzärzte, doch freuen wir uns auch, wenn die HNO-Interessierten und zukünftigen Kolleginnen und Kollegen hierher finden und möchten es daher nicht versäumen, eine Übersicht zu geben, was auf dem Weg vom PJ hin in die Klinik alles zu bedenken und insbesondere zu erledigen ist.

Die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde wird während der ersten klinischen Studienjahre kaum von Studierenden wahrgenommen und auch in den späteren Abschnitten wird sie nur von einem Bruchteil der Studienabgänger als mögliches späteres Arbeitsfeld tatsächlich diskutiert und erwogen. Es sei dahingestellt, woher dieser Umstand rührt; unter den allermeisten HNO-Assistenten jedoch herrscht eindeutige Zufriedenheit mit der eigenen Wahl und eine Überzeugung für das Fach selbst. Die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde ist ein in vielerlei Hinsicht einzigartiges und schönes Fach und bietet wie kaum eine andere Disziplin eine vielseitige aber auch anspruchsvolle Mischung aus Klinik, Chirurgie und Forschung. Die operative Seite bietet eine Fülle unterschiedlicher OP-Techniken, wie sie sich in keinem anderen Fach findet: endoskopische, mikroskopische oder Laser-Operationen, Osteosynthese-Techniken, mikrovaskuläre, Lappenplastiken, Noteingriffe, funktionelle und ästhetische bzw. kosmetische Operationen. Neben großen Eingriffen wie bspw. Schädelbasistumoren oder Traumen, Tumoren des Pharynx und Larynx gibt es gleichzeitig eine Fülle an kleinen und zeitlich begrenzten Eingriffen, die zudem oft in lokaler Betäubung und ambulant stattfinden können. Nicht zuletzt aufgrund dieser vielen vermeintlich „kleinen“ Eingriffe ist die HNO-Heilkunde gerade für den Jungassistenten ein attraktives Fach, da die operative Tätigkeit schon frühzeitig über das bloße „Haken halten“ hinausgeht. Obgleich ein operatives Fach, hat der klinische Aspekt einen hohen Stellenwert für Diagnostik und Therapie: Die HNO betreut – außer dem Sehsinn – sämtliche Sinnesorgane des Menschen (Hören, Gleichgewicht, Riechen, Schmecken), weswegen die Sinnes- und Elektrophysiologie eine wichtige Komponente in unserem Fach einnimmt. Schlussendlich bietet sich über die „5 Löcher“ im Kopf die einmalige Gelegenheit, sich nahezu jeden HNO-Befund direkt bzw. über Spiegel- und Endoskoptechniken direkt selbst anzuschauen und Blickdiagnosen zu treffen. Ein nicht unerheblicher Gesichtspunkt ist zudem die Tatsache, dass sich durch die vielen unterschiedlichen und doch zusammenhängenden funktionellen Gebiete der HNO-Heilkunde ein buntes Spektrum an Krankheiten und Patienten ergibt, die auch im Altersdurchschnitt der Gesamtbevölkerung entsprechen. Aus diesen Umständen ergibt sich auch die Tatsache, dass ein HNO-Arzt Patienten jeglichen Lebensalters sieht – vom Neugeborenen bis zum Urgroßvater. Langeweile kommt in diesem Fach nie auf.

Insofern möchten wir jeden Interessierten dazu aufmuntern, den Schritt in die HNO zu wagen und die eigene Facharztausbildung in diesem Bereich zu beginnen. Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung sollte hierbei dem Wahltertial im Praktischen Jahr zugestanden werden, da es sowohl für den Jungassistenten als auch für die Klinik sicherlich eine große Hilfe ist, wenn die manuellen Fertigkeiten bei der klinischen Untersuchung und im OP bereits vorhanden sind.

Zunächst soll es aber nun um einige Formalia gehen, die nach der Approbation zu erledigen sind. Die folgenden Informationen geben eine grobe Übersicht, können jedoch von Bundesland zu Bundesland bzw. von Kammer zu Kammer unterschiedlich sein. In jedem Fall sei daher an dieser Stelle auf die direkt zuständigen Institutionen und deren Informationsmaterial verwiesen.

Approbationsurkunde. Diese muss nach bestandener ärztlicher Prüfung bei der Landes- oder Bezirksregierung beantragt werden, wofür zumeist die folgenden Dokumente eingereicht werden müssen: formloser Antrag auf Approbation, amtlich beglaubigte Kopie des Zeugnisses der Ärztlichen Prüfung, tabellarischer unterschriebener Lebenslauf, amtlich beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde, Nachweis der Staatsangehörigkeit, Polizeiliches Führungszeugnis (Belegart 0; maximal 4 Wochen alt; Einwohnermeldeamt), ärztliche Bescheinigung (fähig zur Berufsausübung; ausstellbar durch jeden approbierten Arzt), Ehrenerklärung, dass weder ein Strafverfahren noch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Euch laufen, ggf. amtlich beglaubigte Kopien von Promotions- und Heiratsurkunde. Kostenpunkt insgesamt knapp 40,- Euro; die Approbation selbst kostet in NRW derzeit noch einmal ca. 130,- Euro.

Ärztekammer. Die landesspezifischen Heilberufsgesetze regeln die Zuordnung aller approbierten Ärzte zur jeweiligen Landesärztekammer (LÄK). Alle Ärztinnen und Ärzte gehören der Ärztekammer an, in deren Kammerbereich sie ihren Beruf ausüben oder, falls sie ihren Beruf nicht ausüben, ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. Die Bundesärztekammer bildet den Zusammenschluss aller LÄK, die jedoch separat agieren können (Liste der Landesärztekammern). Für Ärztinnen und Ärzte ohne deutsche Approbation können bei der zuständigen Bezirksregierung die ärztliche Approbation bzw. eine Berufserlaubnis gemäß § 10 der Bundesärzteordnung beantragt werden. Die Mitgliedschaft in einer LÄK ist Pflicht in Deutschland, geschieht jedoch nicht automatisch. Vielmehr ist jeder nach Erlangen der Approbation dazu verpflichtet, sich innerhalb eines Zeitfensters selbst bei der LÄK anzumelden. Zur Anmeldung muss die Approbationsurkunde (und ggf. zusätzlich die Promotionsurkunde) der LÄK vorgelegt werden. Die Ärztekammer finanziert die ihr nach dem Heilberufsgesetz zugewiesenen Aufgaben überwiegend durch Kammerbeiträge ihrer Mitglieder. Über jegliche Änderung der Mitgliedsdaten ist die jeweilige LÄK zu informieren, insbesondere wenn es sich um Aufnahme, Beendigung und jede sonstige Änderung der Berufsausübung (zum Beispiel: Promotion, Arbeitgeberwechsel) sowie einen Wohnortwechsel handelt. Fällt man hierdurch in den Zuständigkeitsbereich einer anderen Ärztekammer, so muss man sich bei seiner alten Kammer ab- und bei der neuen Kammer anmelden. Nach Anmeldung in der LÄK wird einem automatisch wöchentlich das Deutsche Ärzteblatt zugesandt.
Die LÄK sind bspw. zuständig für die Gestaltung des Berufs- und Weiterbildungsrechts, für die Durchführung der Facharztprüfung oder auch die Organisation der Fortbildung. Weiterhin unterhalten die meisten LÄK ein Recht-Ressort, welches den Mitgliedern auf Wunsch in allen berufsbezogenen rechtlichen Fragen zur Seite steht.

Arztausweis. Nach vorheriger Anmeldung bei der Landesärztekammer kann der Arztausweis bei der zuständigen Kreisstelle der Landesärztekammer beantragt werden. Für die Ausstellung wird ein Passfoto, ein gültiger Personalausweis und ggf. die Promotionsurkunde benötigt und es wird eine Bearbeitungsgebühr verlangt. In einigen Ländern wird derzeit der elektronische Arztausweis getestet, der im Anschluss flächendeckend bundesweit eingeführt werden soll. Ein Vorteil des Arztausweises ist die Möglichkeit, mit diesem in Apotheken rezeptpflichtige Medikamente (außer BTM) einzukaufen. Nicht zuletzt aus diesem Grund muss ein Verlust des Arztausweises umgehend der zuständigen Kreisstelle gemeldet werden.

Ärzteversorgung. Jede Ärztekammer unterhält als berufsständisches Versorgungswerk (Rentenversicherung) eine Ärzteversorgung. Diese hat die Aufgabe, ihren Mitgliedern und sonstigen nach der Satzung zum Empfang von Leistungen Berechtigten eine adäquate Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung zu gewähren. Die Ärzteversorgung ersetzt damit die gesetzliche Angestelltenversicherung von der man sich zugunsten der Ärzteversorgung per Antrag befreien lassen muss. Die Ärztekammer wird durch das Finanzministerium des Landes beaufsichtigt.